Kennen Sie auch die Situation am Montagmorgen auf dem Büro-Flur? Ihr Kollege (wir nennen ihn mal Herrn Schmitt) schwebt Ihnen entgegen, ein entrücktes Lächeln auf den Lippen, den Blick glasig in die Ferne gerichtet (dabei endet der Flur in der Herrentoilette). Statt des montäglich-muffelig geraunzten "Morgen", fällt er Ihnen um den Hals, haucht ein vieldeutiges "Auch du schaffst es!" in Ihr Ohr und entfleucht mit den Worten "Dieser Tag wird ein guter Tag".
Spätestens jetzt wissen Sie: Schmitt war auf einem Wochenend-Seminar!
Jene Art von Wochenend-Vernichtungs-Workshops, die pünktlich Freitag, 18:00 Uhr mit einem "Come together" beginnen und sonntags-morgens mit einem Brummschädel enden.
In den anderthalb Tagen, zwischen dem verbrüdernden "Hallo, ich bin der Horst-Hendrik" und dem "Wir sollten mal mailen", verbringt das mittlere Management Millionen Stunden im Jahr in überteuerten Seminar-Hotels oder noch überteuerteren Baumhäusern in der Wildnis
zwischen Hannover und Münster.
Vermittelt wird alles, was als neue Verkaufstechnik gerade noch so vor der Firmenleitung vertretbar ist, denn schließlich bezahlt diese den Kurzurlaub auf Spesenrechnung mit bis zu 2.800,- Euro pro Nase. Dabei scheint es keinen Chef zu interessieren, wie sich "Die Optimierung des Customer Relationship durch die Kraft des Chi bei der kontramuskulären Bauchatmung" positiv auf die Auftragsbücher auswirken soll. Oder dass sich der Titel "Reich in 48 Stunden" nicht auf die Teilnehmer, sondern nur auf den Porsche fahrenden Seminar-Leiter bezieht.
Morgen werfen wir mal einen kritischen Blick auf diese "Open-Brain-Meetings", deren Nachwirkungen ganze Horden von Psychotherapeuten verdienen lässt.
(Fortsetzung folgt)