24.08.2009

Azubigate – Datenskandal im Internet

Die Telekom hat abgehört, die Bahn hat bespitzelt und Mama hat ungefragt in den Sexheftchen gestöbert.

Wenn Sie bisher dachten, das seien die größten Verstöße gegen den Datenschutz seit Watergate gewesen – so haben Sie sich eindeutig geirrt.

Die Pressemeldung schlug ein wie eine Bombe am Ballermann:

 

„Unternehmer sammeln Informationen über Bewerber im Internet!“

 

Endlich ist es raus: das Internet hat seine Berechtigung. Jahrelang predigen wir Werber von Verkaufsförderung, Produktpräsentation und viralem Marketing. Nix ist passiert. Denn was ist schon interaktive Kommunikation mit der Zielgruppe gegen schnüffeln bei Minderjährigen?

 

Da legen doch die Personalchefs ihre Spanner-Mentalität offen, wenn sie in „wer-kennt-wen?“ herausfinden, dass der hoch motivierte Torben „...montags am liebsten blau macht und dem Chef das Märchen von der Grippe erzählt.“

 

Muss sich die engagierte und lernwillige Svenja wirklich gefallen lassen, dass der Herr Berger vom Bistum (dem wo sie die Bewerbung als Kindergärtnerin geschreibt hat) in Facebook herumschnüffelt und jetzt weiß, dass „...nix geiler turnt als eine schwarze Messe wo so richtig auch Blut fließen tut.“

 

Es grenzt doch schon an üble Nachrede, wenn man dem technisch interessierten Benny bei Auto-Meyer ein Vorstellungsgespräch verweigert, nur weil er als „BennyParts1980“ bei ebay mit „...Originalteilen von Golf und Polo ohne Garantie und Rücknahme“ sein Taschengeld aufbessert.

 

Niemand zwingt die Personalleiterin auf die eMail-Bewerbung von schwule.bitch@gmx.de zu antworten, weil unter gleichem Suchbegriff die „teamfähige Melanie“ in drei Prügelvideos (2 x Sieg) auf youtube zu bewundern ist.

 

Wie heißt es in den amerikanischen Gerichtsstreifen immer so schön: „Einspruch Euer Ehren, ich beantrage den Beweis nicht zuzulassen.“

Richtig so, wenn wir nicht jetzt gegen diese Eingriffe in die Privatsphäre unserer Jungend vorgehen, sehe ich bald schon die neuen, unglaublichen Schlagzeilen der BILD Zeitung:

„Skandal: Personalchef durchstöbert Bewerbung nach Zeugnisnoten!“