22.10.2009

Mallorca Trilogie - Fäschenwicktimms

Rund 10 Millionen Touristen wählen Jahr für Jahr die schönste der Balearen-Inseln zu Ihrem Urlaubsziel. Menschen aus aller Herren Länder und auch einige aus Deutschland. Mit ein wenig Routine, kann das geübte Auge leicht die einzelnen Landsmänner und –männinen unterscheiden.

Am einfachsten ist dies bei unseren englischen Freunden. Sie tragen tagsüber generell keine Oberbekleidung (das vermeintlich rote Hemd ist eine ausgewachsene Sonnenverbrennung 3. Grades), damit man die lustigen, meist selbst gestochenen Bildchen auf Arm und Brust besser erkennen kann. Der dümpelnde Wal, der zur Zeit seiner Entstehung noch ein zierlicher Delfin war. Die dralle Braut auf dem Oberarm, die schon von der 3. Bildunterschrift begleitet wird.

Ebenso einfach zu erkennen ist der Deutsche. Er unterteilt sich allerdings in drei Gruppen.

1.      Der Massentourist: Ganz seinem Klischee entsprechend in „4S“: Short, Sonnenhut, Socken und Sandale. Farblich abgestimmt trägt er dazu einen 5-Liter Eimer Sangria.

2.      Der Individualtourist: Er versucht sich dem Urlaubsland anzupassen („Wenn du schon in Mailand bist, dann kleide dich auch wie ein Spanier“). Dadurch fällt er direkt auf, da sich die Spanier in der Zwischenzeit wie Deutsche kleiden.

3. Der urlaubende Geschäftsmann:  Er hat die lustigste Verkleidung. Mit seinen mittfünfzig Jahren darf er noch einmal unter Beweis stellen, dass er so herrlich jung geblieben ist. Und dass seine Frau seit mehr als 30 Jahren seine Klamotten aussucht.

So manches, was er im Geschäftsalltag als Todsünde ansehen würde, wird im Urlaub zu Pflicht. Dazu gehören die weiße Leinenhose, die strumpflosen Gucci-Loafer und die Fledermaus-Sonnenbrille im leicht gegelten Haar. Alleine bei seinen Hemden bleibt er sich treu und macht sich gerade dadurch zum Affen. Seine maßgeschneiderten und dadurch den leichten Bauchansatz kaschierenden edelsten Stöffchen trägt er auch auf Malle. Aber leider außerhalb der Hose, mit hochgekrempelten, stark gestärkten  Manschetten und bis fast zum Bauchnabel geöffnet. Ein Traum aus fliederfarbenem oder hellblauem Stoff, weißem Kragen und grauem Brusthaar, dessen Rückennaht knapp unter der Kniekehle endet.

Ihnen möchte ich zurufen: „Es gibt auch Oberbekleidung speziell für die Freizeit“. Aber ich lasse es in dem Augenblick, als mir das 7. rosafarbene „La Martina-Polo“ in Größe XXXL entgegenschaukelt. Reich bestickt mit der argentinischen Flagge, einem halben Dutzend 3ern auf Arm und Rücken und seinen Träger als Kapitän des südamerikanischen Polo-Teams klassifiziert.

Seit wann wird Polo mit einem Medizinball gespielt – und warum hat der Typ ihn verschluckt?

Ich denk nur: Reicher Mann – armes Pferd!