Die Regelmäßig-Leser meines Tagebuches wissen es: Die Modewelt – das ist meine! In dieser Welt der Reichen und Dünnen, da finden meine GUCCI-Loafer keinen Fettnapf...naja, fast keinen. Gestern begab es sich, dass mich eine gewisse Kühle beim Verlassen meiner vier Wände umfing. Schnell zurück, und zur Halsschmerzprophylaxe (haben Sie’s bemerkt: ein Wort mit x, y und z drin) ein leichtes Schälchen umgebunden. Ich freu mir noch ein Burberry-Karo, dass Schal und Mantel aus der selben Farbfamilie stammen, bevor es ab zum ersten Kundentermin geht.
Die exklusive Modeboutique, die ganz oben auf unserer Neukundenliste steht. „Mach mal direkt einen guten Eindruck“, denk ich mir noch so, als ich den Fashion-Tempel betrete „und verbinde Geschäft mit Gegengeschäft. Denn nicht nur mein Hals, sondern auch die Finger des Tagebuchschreibers waren zur Angriffsfläche der Witterung geworden.
„Ein paar Winterhandschuhe bitte“ warf ich der Modeberaterin (nie, aber wirklich NIE dürfen Sie diese schwarzbebrillten Damen „Verkäuferin“ oder „Fräulein“ nennen) betont lässig entgegen. Der nun folgende Dialog warf mich aus der modischen Bahn und die Edel-Boutique aus unserer Kundenliste.
„Wie wäre es mit Sommer-Handschuhen, die würden dann besser zu Ihrem Sommer-Schal passen.“ antwortete sie chanel.
„Sommerschal?“ Die Verunsicherung war mir deutlich anzumerken.
„Ja“, flötete Sie, zwei Kaschmir-Pullunder streichelnd, „dieses dünne Etwas um Ihren Hals, 100% Viskose, tragbar bei Außentemperaturen von minimal 25 Grad. Unter 15 Grad sind Übergangs- oder Herbstschals zu tragen, die Sie nicht mit dem Frühlings-Schal verwechseln dürfen, denn der hat - im Gegensatz zum Herbstschal mit bis zu 20% Baumwollanteil - zwischen 10% und 25% Wolle und 20% Kaschmir. Unter 10 Grad Durchschnittstemperatur und / oder ab Windstärke 4, gemessen nach dem 15.November, ist die Winterschalkollektion angesagt. 100% Baum- Schur- oder Merinowolle, gestickt, gewebt oder geklöppelt, mit oder ohne Fransen, von 80 bis 420 cm Länge.“
Auf meine Frage, wie ich dies nun alles erkennen könne, belehrte sie mich mit einem knappen: „Fühlen – oder in Ihrem Fall: lesen!“
So kam ich an diesem Tag zu einem Herbstschal. Dem Preis nach handgewirkt von Herrn JOOP persönlich, mit 15% Kaschmir und 300% Marken-Aufschlag. Er ist lila, passt nicht zu meinem Mantel und lässt mich schrecklich blass aussehen. Das kann auch daran liegen, dass ich seit gestern Halsschmerzen und eine leichte Erkältung habe.
Denn WARM halten diese Schals erst ab der Winterkollektion.