24.12.2009

Glück gehabt, Weihnachtsmann!

Liebe Tagebuchleser,

ich glaube, der heilige Abend ist genau der richtige Zeitpunkt für ein besinnliches Poem, denn was spiegelt das Gefühl zur Weihnachtszeit besser wider als das zeilenweise, gereimte Wort.

Daher schenke ich Ihnen zum Fest der Liebe eines meiner Lieblingsgedichte meines absoluten Lieblings-Gedichters, dem unvergleichlichen Friedemann Hubertus Maria Graf von Ansitz. Damit es uns immer daran erinnere, welch Glück wir - und der Santa - doch hatten.

Ich wünsche ein Frohes Fest!

 

 

 

 

Des Hasen Tod

von Graf von Ansitz


Das Jahr neigt sich zum kalten Ende

der Waidmann streunt durch Pachtgelände

das letzte Grün will er genießen

versucht die letzte Sau zu schießen.

 

Er folgt den Fährten und Geräuschen

der alte Fuchs lässt sich nicht täuschen

er weiß wo sich sein Wild versteckt

bevor er´s repetierend streckt.

 

Ein lautes Knacken in den Fichten

lässt ihn die Waffe zielwärts richten

voll Spannung äugt er durch sein Zeiss

doch plötzlich wird ihm kalt und heiß.

 

Ein alter Mann mit weißem Bart

steht vor dem Lauf, zu Stein erstarrt

sein roter Mantel schweißdurchtränkt

ein Sack über die Schulter hängt.

 

Der Jäger reißt in dem Moment

als er den Santa Claus erkennt

die Mündung, durch die Schrote rasen

herum und trifft den kleinen Hasen

 

der rechts neben dem Alten mümmelt

und sich jetzt tot im Dickicht lümmelt

im morgendlichen Nebelschleier

sieht man das Körbchen voller Eier.

 

In der Sekunde weiß der Jäger

er schonte zwar den Mantelträger

den Weihnachtsmann mit roter Nase

sein Opfer war der Osterhase.

 

Seit jenem Tag wird es verschwiegen

wie Kinder Ostereier kriegen

die Jäger färben und verstecken

sie heimlich in den Gartenecken.

 

Erst jetzt wird uns das Glück bewusst

dass nicht ein Storch dran glauben musst

weil man den Waidmann sonst noch zwingt

dass er die kleinen Kinder bringt.