Liebe Tagebuchleser,
ich glaube, der heilige Abend ist genau der richtige Zeitpunkt für ein besinnliches Poem, denn was spiegelt das Gefühl zur Weihnachtszeit besser wider als das zeilenweise, gereimte Wort.
Daher schenke ich Ihnen zum Fest der Liebe eines meiner Lieblingsgedichte meines absoluten Lieblings-Gedichters, dem unvergleichlichen Friedemann Hubertus Maria Graf von Ansitz. Damit es uns immer daran erinnere, welch Glück wir - und der Santa - doch hatten.
Ich wünsche ein Frohes Fest!
Des Hasen Tod
von Graf von Ansitz
Das Jahr neigt sich zum kalten Ende
der Waidmann streunt durch Pachtgelände
das letzte Grün will er genießen
versucht die letzte Sau zu schießen.
Er folgt den Fährten und Geräuschen
der alte Fuchs lässt sich nicht täuschen
er weiß wo sich sein Wild versteckt
bevor er´s repetierend streckt.
Ein lautes Knacken in den Fichten
lässt ihn die Waffe zielwärts richten
voll Spannung äugt er durch sein Zeiss
doch plötzlich wird ihm kalt und heiß.
Ein alter Mann mit weißem Bart
steht vor dem Lauf, zu Stein erstarrt
sein roter Mantel schweißdurchtränkt
ein Sack über die Schulter hängt.
Der Jäger reißt in dem Moment
als er den Santa Claus erkennt
die Mündung, durch die Schrote rasen
herum und trifft den kleinen Hasen
der rechts neben dem Alten mümmelt
und sich jetzt tot im Dickicht lümmelt
im morgendlichen Nebelschleier
sieht man das Körbchen voller Eier.
In der Sekunde weiß der Jäger
er schonte zwar den Mantelträger
den Weihnachtsmann mit roter Nase
sein Opfer war der Osterhase.
Seit jenem Tag wird es verschwiegen
wie Kinder Ostereier kriegen
die Jäger färben und verstecken
sie heimlich in den Gartenecken.
Erst jetzt wird uns das Glück bewusst
dass nicht ein Storch dran glauben musst
weil man den Waidmann sonst noch zwingt
dass er die kleinen Kinder bringt.