14.01.2010

Lift me up, Scotty!

“Wenn es jeder so macht, wird es schon richtig sein!”

Das sagen sich wohl 20 von 21 Inserenten der nebenstehenden Werbe-Doppelseite. All diesen Herstellern gemein ist das Produkt und die Zielgruppe, werben sie doch allesamt für Treppen- und Badewannenlifte oder elektrische Rollatoren für den gebrechlichen Mitbürger ab scheintot. Dazwischen verirrt hat sich nur der Anbieter der „Badewanne mit Tür“ für diejenigen, die des Liftes überdrüssig sind und lieber den paterren Einstieg ins nasse Vergnügen wünschen.

Erstaunlich an diesem Beispiel des Reklame-Herdentriebes ist die Tatsache, dass besagte Doppelseite nicht in der „Sanitätshaus heute“ oder dem neuen Trendmagazin „Top over 80!“ zu finden ist, sondern in dem Journal der Mobilität schlechthin: der ADAC-Motorwelt.

Dazu weiß der informierte Leser natürlich, dass das Vereinsblättchen mit 18,3 Millionen Lesern nicht nur der auflagenstärkste, sondern mit einem Seitenpreis von rund 110.000,00 Euro auch der teuerste Anzeigenmarkt Deutschlands ist. Sogar die geviertelte Seite bringt es immer noch auf satte 27.300,00 Euronen zu Lasten des Inserenten.

So weit so teuer. Was mich jedoch verwundert, ist die Diskrepanz zwischen Zielpublikum und durchschnittlichem Leser. Dieser liegt altersmäßig laut „dem Club“ zwischen 40 und 49. Das gemittelte Alter der gesamten deutschen Autofahrerschaft liegt ebenfalls bei Mitte Vierzig. Das der Treppen gelifteten allerdings bei Ende Siebzig. Und ob diese Klientel den 6 Punkt-Anzeigentext (nachgemessen – kein Witz!) einer 32stel-Seite wirklich am grauen Star vorbeischleusen können ist fraglich.

Es scheint sie also noch zu geben, die Kunden mit zu viel Geld und skrupellosen Werbeagenturen, die ihnen die Tausender-Kontakte schön rechnen und eine satte AE auf die ganze Seite kassieren. Dafür hätte man in der „Stützstrumpf-News“ ganz schön lang schalten müssen.             

Aber was soll’s? Für die neue Ausgabe hat die ADAC Motorwelt einen zielgruppengerechten Test angekündigt, der uns genau erklärt, warum sich der Hybrid beim Treppenlift nicht durchsetzt und der CO2-Ausstoss bei Elektrorollern oft mit falscher Ernährung zu tun hat.