01.02.2010

Zieht euch warm an...!

Er hat uns fest im Griff, der Schnee. Und obwohl wir von jedem Kaufhaus auf den Winterschluss hingewiesen werden, ruft mein Kleiderschrank nach frischer und molliger Nahrung. Also schnapp ich mir das Zentralorgan der Männermode, meine geliebte GQ, voll des Drangs, mir neue Klamotten auf den Leib zu kaufen.

Schon sah ich sie, die Modestrecke (das sind die aufeinander folgenden Doppelseiten, auf denen sich bulimische Mädels oder leptosome Jünglinge in sündhaft teuren Designerstücken räkeln) für Fäschenwicktimms, voll der Erwartung meine Einkaufsliste abarbeiten zu können. Darauf finden sich so Allerwelts-Klamotten wie Weste, warme Schuhe und was nettes für drunter. Hilfreich ist, dass neben den Bildchen immer genau geschrieben steht, was und von wem das Model gerade trägt. So fällt die Zuordnung leichter.

Dachte ich! Bis ich las – und nicht verstand...

Dass der Mann von Welt heute von „Boots“ statt von „Schaffschuh“ spricht hat sich auch schon bis zu mir herum gesprochen, wobei das aus dem althergebrachten Schuhgeschäft noch lange kein „Bootcamp“ macht. Aber haben Sie in letzter Zeit mal versucht, eine stinknormale (ungeschickte Wortwahl) Unterhose zu kaufen?. Sollte die Modeberaterin Sie verständnislos anschauen, versuchen Sie es mal mit „Briefs“, und schon zeigt Sie Ihnen eine Auswahl an schönsten Feinripp-Beinkleidern, wahlweise mit Eingriff („Left-hand-brief“). So wird Schiesser-Shopping zum „Briefing-Gespräch“.

Diese „Briefs“ sind nicht zu verwechseln mit „Longjohns“. In meiner Jugend nannte sich so jeder zweite Pornodarsteller, heute ist das die offizielle Bezeichnung für eine lange Unterhose. Und diese trägt man genau wie auf dem Bild links gezeigt: Unter einer kurzen Hose, bis ans Knie hochgekrämpelt. Nein, bitte fragen Sie nicht nach dem Sinn – wir reden hier über Mode. Kombiniert werden „Briefs“ und „Longjohns“ gerne mit „Tanktops“. Dahinter verbirgt sich nicht die beliebteste Zapfsäule der Stadt, sondern ein ärmelloses Unterhemd.

Darüber wärmt ein „Hoodie“ (formalieh nohn äs Kaputzen-Jogger) im Vintage-Look (Altkleidersammlungs-Optik), der locker über den „Chinos“ (Baumwoll-Buxe) im „Baggie-Style“ (Arsch frisst Hose) getragen wird. Alternativ zum „Hoodie“ bietet mir die GQ auch ein „Cardigan“ für drüber, ein Kleidungsstück, das mit Omas Strickweste verdammt viel Ähnlichkeit hat. Mein Kopf wird ab heute von einem „Beanie“ (Stick-Kapp), einer Basecap (Schippekapp) oder einer „Flatcap“ (Schiebermütze) bedeckt.

Und alles zusammen findet Platz in meinem „Weekender“ (Reisetasche fürs Wochenende).

Aus Trotz habe ich mir die einzige Klamotte des Magazins gekauft, die einen wirklich verständlichen und urdeutschen Namen trägt:

Einen Pullover!