Wie sagte mein Arzt neulich zu mir (Checkup inklusive „großer Hafenrundfahrt“ – bei 50+ von der Kasse bezahlt): „Wissen Sie lieber Tillmann (ich bin privat versichert, daher das „lieber“), der Unterschied zwischen früher und heute ist doch nur, dass heute die Leute gesünder sterben.“ Große Worte von einem kleinen Mediziner – 162 cm – gelassen ausgesprochen.
Die häufigste Sterbeursache während meiner Jugendzeit? Richtig: der Tod! Heute sterben die Menschen an Krebs, Herzinfarkt und zu hohem Cholesterin. An allem, was vor 100 Jahren noch nicht erfunden war. Einzige Ausnahme: die Schweinegrippe. Egal was die Farmer-Industrie (haben Sie die Doppeldeutigkeit in Bezug auf die Schweine erkannt?) auch anstellte, Deutschland gesundete. Ein Trend, der leider nicht lange anhielt.
Heute macht’s doch niemand mehr unter einem Myokardinfarkt, im vorletzten Jahrhundert sind die Leute einfach tot umgefallen. Hatten sich unsere Großeltern noch krumm und bucklig geschafft, so schmückt sich heute jeder Pubertierende schon mit einem doppelten Bandscheibenvorfall. Der Tattergreis mutiert zum Parkinson-Patienten, der Suffkopp zum Alkohol-Kranken und meine magersüchtige Nachbarin wird Germanys next Top-Model (der Catwalk wird zur Bouli-Parade).
Der Einstieg in jede Hypochonder-Party ist wohl die Frage nach dem Cholesterinwert. Sicherer Weg wieder rauszufliegen ist meine Lieblingsantwort: „Ich hab keins mehr, ich hab’s mir wegoperieren lassen.“ Stapelweise Internetforen tauschen sich über HDL und LDL, über gutes und schlechtes und über die Frage aus: „Ist die Eitelkeit abhängig von der Größe des Cholesterinspiegels?“
Ich bin mir absolut sicher, dass das Cholesterin eine Erfindung der Nahrungsmittel-Industrie ist. Natürlich in Zusammenarbeit mit den weltweit führenden Medikamentisten, um Tröpfchen und Pillen in und unter das kranke Volk zu bringen. Ich kann mir den Dialog beim Kongress der Krankmacher so richtig vorstellen:
Pharmer: Leute, ich hab da was erfunden, was den Spiegel senken kann.
Arzt: Welchen Spiegel?
Pharma: Weiß ich noch nicht – was wäre denn noch frei?
Arzt: Cholera – haben wir fast ausgerottet.
Margarinist: Hört sich gefährlich an aber gibt’s schon. Was ähnliches?
Arzt: Cholera...stin?
Pharma: Prima. Wer schreibt es auf?
Margarinist: Ich mach schon: C-H-O-L-E-S-T-E-R-I-N !
Pharma: Auch gut, ich mach die Pillen fertig.
Margarinist: Und ich bring’s in die Werbung.
Und was die Werbung daraus macht – davon erzähl ich Euch das nächste mal.